20.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Erich Honecker 1965
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dreimal war Erich Honecker verheiratet, nicht zweimal, wie die Historiker bisher glaubten. Eine jetzt entdeckte Urkunde belegt die frühe Hochzeit. Das Datum der letzten Heirat ist noch immer unbekannt.
Erich Honecker, einst Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, wie sein offizieller Titel lautete, war dreimal verheiratet. Nichts ungewöhnliches eigentlich, Bundeskanzler Gerhard Schröder hat es schon viermal getan. Doch Honecker hat Zeit seines Lebens eine Ehe verschwiegen, die erste.
Am 23. Dezember 1946 hat Erich Honecker die Justiz-Wachtmeisterin Charlotte Schanuel, geborene Drost geheiratet, seine ehemalige Gefängnis-Wärterin. Eine Standesamtsurkunde belegt diese Ehe nun zum ersten Mal, wie der «Spiegel» berichtet.
Gefunden hat die Urkunde Ed Stuhler, der eine Biografie über Honeckers letzte Frau Margot, geborene Feist, geschrieben hat. Bisher gab es nur die Aussage einer Nachbarin, Honecker soll früher mit einer Lotte Grund liiert gewesen sein. Am Klingelschild der Wohnung, in der Charlotte Schanuel mit ihrer Mutter lebte, stand der Name Grund. Honecker selbst hat darüber nie ein Wort verloren.
Heirat aus Dankbarkeit1944 soll sich das Paar kennen gelernt haben, im Gefängnis. Honecker saß im Zuchthaus Brandenburg, wurde aber, da er gelernter Dachdecker war, ins Frauengefängnis Barnimstraße in Berlin abkommandiert, um durch Bomben beschädigte Dächer zu reparieren. 34 Jahre alt war er damals, Charlotte Schanuel war 43 und bereits Witwe.
Sie soll ihm zur Flucht verholfen haben, berichtet die «Bild»-Zeitung, aus Dankbarkeit habe er sie anschließend geheiratet. Doch die Ehe hielt nicht lange.
Bereits im Juli 1947 hatte der damalige FDJ-Sekretär eine Beziehung mit der FDJ-Funktionärin Edith Baumann begonnen. Zwei Jahre später, sie war von ihm schwanger, heiratete er sie. Charlotte Schanuel war da bereits tot. Sie starb an einem Hirntumor.
Wieder heimlichAuch bei Gattin Nummer zwei blieb er nicht lange. Bereits 1950 beklagte sie sich per Brief beim damaligen SED-Generalsekretär Walter Ulbricht darüber, dass Honecker mit Margot Feist herummachte. Es nützte nichts, 1952 wurde Margot schwanger und Honecker wollte von Edith Baumann nichts mehr wissen.
Doch kämpfte sie noch Jahre um ihn. Erst 1955 willigte Baumann in die Scheidung ein und Honecker konnte seine dritte und letzte Frau heiraten. Da war ihre gemeinsame Tochter Sonja längst geboren. Auch wenn seine Witwe Margot noch 2001 in Chile behauptete, das Kind wäre ehelich geboren. Wann genau geheiratet wurde, ist jedoch unbekannt. Man tat dies heimlich, bis heute gibt es darüber kein Dokument. (nz)