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Afrika-Bulletin Nr. 123:
August/September 2006

Schwerpunktthema:
Angola: Wirtschaft aufsteigend
– Menschenrechte miserabel

Ein Mitte Juni 2006 in der New York Times erschienener Artikel illustriert die in diesem Bulletin beschriebenen Verhältnisse in Angola. Der Autor beschreibt den Ausbruch einer Choleraepidemie in der angolanischen Hauptstadt Luanda und setzt die nicht vorhandene Wasserversorgung und die katastrophalen hygienischen Verhältnisse in den dortigen Armenvierteln in Bezug zum Reichtum einer durch und durch korrupten Elite.

In regelmässigen Abständen informiert das „Afrika-Bulletin“ über Angola, das Land, das am Anfang der Solidaritätsarbeit des „Afrika-Komitees“ stand. Damals, in den frühen 70er Jahren, suchten angolanische Studenten, die an schweizerischen Universitäten studierten, den Kontakt zu Organisationen, welche ihre Berichte über die Menschenrechtsverletzungen der portugiesischen Kolonialmacht verbreiten könnten. Damals vertrat die Schweizer Diplomatie noch die Meinung, dass die portugiesischen Überseeterritorien seit Jahrhunderten unveräusserlicher Bestandteil Portugals seien.

Auch bei uns weckte 2002 die Beendigung des 27 Jahre dauernden Bürgerkrieges - ebenso lange wie die Haft von Nelson Mandela - in Angola Hoffnungen. Aber wir konnten den Optimismus der VertreterInnen des EDA nicht teilen, die den Frieden in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Potential des Landes als Garanten für eine demokratische Entwicklung sahen.

Dieses „Afrika-Bulletin“ hat Angola zum Schwerpunkt. Die Analyse von Didier Péclard zeigt, an welchen Faktoren diese Hoffnungen scheiterten und weiter scheitern werden. Um das Land zu befrieden, setzte die internationale Gemeinschaft – einesteils die Regierungen, die am Erdöl, an den Diamanten und dem weiteren reichhaltigen Rohstoffvorkommen Angolas interessiert sind, und anderenteils die afrikanischen Regierungschefs, die einen der ihren gegen eine interne Rebellenbewegung unterstützten – auf den militärischen Sieg der angolanischen Regierung und liessen die entstehende Zivilgesellschaft schmählich im Stich.

Bezüglich Angolas gibt es – wie meistens, wenn viel Geld im Spiel ist – eine schweizerische Banken-Connection. Stefan Howald führt in die komplexen Mechanismen zur Rückführung von Korruptionsgeldern ein und fordert die Wiederaufnahme der abgebrochenen Untersuchungen der Genfer Justiz.

Kubanische Intervention in Angola im Zeichen latein-afrikanischer Solidarität – das Forschungsprojekt von Christine Hatzky befasst sich mit dieser einmaligen Süd-Süd-Intervention mit durchmischter Bilanz.

Barbara Müller

Afrika-Komitee
Ziele, Themen, Kontakte
Afrika-Bulletin. Archiv

Frieden und Wiederaufbau unter einem Regime überwachter Freiheit
Angola 2002-2006

Am 4. April 2002 endete in Angola ein Bürgerkrieg, der während eines Vierteljahrhunderts (1975 - 2002) den Tod einer halben Million Menschen forderte, der ein Drittel der Bevölkerung ins innere Exil und weitere 450'000 als Flüchtlinge in die Nachbarländer trieb. Für die nach dem jahrzehntelangen Konflikt ausgeblutete Bevölkerung und die durch die Gewalt des Krieges zersplitterte Gesellschaft bedeutet dies zweifelsohne eine enorme Entlastung. Der Frieden in Angola ist indessen noch weit entfernt von nationaler Versöhnung, Demokratisierung und sozialer Gerechtigkeit. Didier Péclard über die jüngere Entwicklung.

Nach der Unterzeichnung eines Abkommens, das die Feindseligkeiten zwischen den angolanischen Streitkräften (FAA) und der Unita (Union für die totale Befreiung Angolas) – einer Rebellenbewegung, welche die Macht der MPLA (Volksbewegung für die Befreiung Angolas) seit der Unabhängigkeit Angolas im Jahr 1975 herausgefordert hatte – scheint sich das Land jetzt endlich auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden zu befinden. Das Abkommen vom 4. April 2002 markiert schon deshalb eine wichtige Etappe in der jüngsten Geschichte des Landes, weil es auf zwei gescheiterte Friedensprozesse folgte.

Nach dem Tod von Jonas Savimbi, dem historischen Führer der Unita, haben die neuen Führer der ehemaligen Rebellenbewegung schnell die Konsequenzen ihrer militärischen Niederlage akzeptiert. Die Unita ging geschwächt aus mehreren Jahren internationaler Sanktionen hervor, die aus ihr eine Pariah-Bewegung machten. Nachdem sie die Kontrolle über die Diamentenbergwerke an die Regierungverloren hatte, verfügte sie nicht mehr über die nötigen Ressourcen, um den FAA standzuhalten. Innerhalb weniger Monate wurden 85'000 Soldaten in Demobilisierungszentren kaserniert und 5000 von ihnen in die FAA integriert. Ein neuerliches Aufflackern des Krieges erscheint heute undenkbar, auch wenn nicht vergessen werden sollte, dass die Befreiungskräfte der Enklave Cabinda (FLEC) – wenn auch ohne jede Aussicht auf Erfolg - noch immer für die Unabhängigkeit der Region kämpfen, aus der die meisten Erdölerträge Angolas stammen. Auch die soziale Wiedereingliederung der demobilisierten Soldaten und ihrer Familien ist noch weitgehend zu leisten. Die Situation im Innern des Landes hat sich jedoch einigermassen normalisiert und ein grosser Teil der internen Flüchtlinge konnte in ihre Heimat zurückkehren, trotz der Millionen von Antipersonenminen, die bei der Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Aktivitäten eine schwere Hypothek darstellten.

Alle Macht dem Präsidenten

Während der Frieden also eine positive Errungenschaft darstellt, wirft die Art und Weise wie er zustande kam, einen Schatten auf die Nachkriegszeit. Das Abkommen vom April 2002 war nämlich die Krönung der Strategie von Präsident dos Santos, vollständig auf die militärische Karte zu setzen. Damit erhielt er den Frieden ohne „Kollateralschäden“ und kam darum herum, einer Machtteilung zustimmen zu müssen, wie dies bei einer Verhandlungslösung der Fall gewesen wäre. Der Frieden kam im Rahmen einer Dynamik zustande, welche die Macht in den Händen des Präsidenten und einer engen Zahl von Vertrauten konzentrierte. Diese Entwicklung geht auf die 1980er Jahre zurück und beruht auf dem Krieg und der Kontrolle über den Erdölsegen (Angola ist der zweitgrösste Erdölproduzent Afrikas südlich der Sahara, direkt nach Nigeria, und produziert annähernd zwei Millionen Fass Erdöl täglich). In dieser Hinsicht kann der Sieg der MPLA als Niederlage der Zivilgesellschaft interpretiert werden.

Während der letzten Kriegsphase (1999 – 2002) verfolgten der Präsident und seine Umgebung ein doppeltes Ziel: die militärische Vernichtung der UNITA und auf politischer Ebene, wenn möglich, das Verstummen der immer lauter werdenden Stimmen, die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien als ihrer Meinung nach einzige Garantie für Gerechtigkeit und Versöhnung forderten. Diese Stimmen liessen sich vor allem aus den Kirchen vernehmen. Obwohl die Kirchen, die reformierten und die katholische, aus historischen Gründen lange entzweit waren, gründeten sie im April 2000 ein zwischenkirchliches „Komitee für den Frieden“ (COIEPA). Die Aufgabe dieses Komitees erwies sich als äusserst schwierig. Im Innern stand es einer Regierung gegenüber, die jede Hinterfragung ihrer Kriegsstrategie als Verrat bekämpfte und die Verhandlungen mit der Unita von vorneherein ausschloss, da ihre Propaganda auf der Verurteilung von Savimbi als Kriegsverbrecher fusste. Des weiteren wurde der COIEPA auf dramatische Weise die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft vorenthalten, die mehrheitlich (stillschweigend oder explizit) die Regierung unterstützte. Trotzdem stellte die COIEPA eine Gefahr für die Regierungsmacht dar, weil sie für eine Verhandlungslösung eintrat und weil sie der Embryo einer starken und organisierten Zivilgesellschaft darstellte, die im Nachkriegsangola mitreden wollte. Mit dem Durchsetzen ihrer militärischen Option hat die angolanische Regierung folglich zwei Dinge auf einen Schlag erreicht: Neben der Schwächung der Unita hat sie das Erstarken der zivilen Institutionen verhindern können, die bei einem andern Ausgang als politische Akteure nicht so leicht zu umgehen gewesen wären. So aber ist die MPLA mehr denn je zuvor die einzige Macht im Land.

Demokratisierung bleibt aus

Unabhängig davon stellt sich die Frage der Demokraktisierung des Regimes. Bis zum heutigen Tag bleiben die von der Regierung entsandten Zeichen doppeldeutig. Die Daten für die Erneuerungswahlen des vor 15 Jahren gewählten Parlamentes und die Präsidentschaftswahlen werden laufend hinausgeschoben. Obwohl Präsident dos Santos zugesichert hatte, dass der Urnengang „spätestens im September 2006“ stattfinden sollte, erklärte er Anfang Jahr vor dem Zentralkomitee der MPLA, dass die Wahlen erst durchgeführt werden könnten, wenn das durch den Bürgerkrieg zerstörte Strassen- und Schienennetz wieder hergestellt sei. Damit wird der Urnengang frühestens auf die zweite Hälfte von 2007 verlegt.

2005 wurden dennoch einige für den Wahlprozesses unerlässliche Vorbereitungen eingeleitet. Im August verabschiedete die Nationalversammlung ein neues Wahlgesetz, welches die Einsetzung einer „Nationalen Wahlkommission“ (CNE) ermöglicht. Die Zusammensetzung der CNE hat Mitte 2005 heftige parlamentarische Debatten ausgelöst. Die Verhandlungen darüber haben erneut bestätigt, dass die Kontrolle über den Wahlprozess und dessen zeitlichen Ablauf für den amtierenden Präsidenten und dessen Partei von erstrangiger Bedeutung sind. Acht der elf Mitglieder der CNE sind direkt oder indirekt mit der MPLA und dem Präsidenten selbst verbunden. Ausserdem hat dos Santos durch einen Erlass des Obersten Gerichts erreicht, dass das neue Wahlgesetz ihm das Recht zugesteht, sich vom nächsten Urnengang an für maximal drei Wahlperioden zu je fünf Jahren wählen zu lassen. Die vor diesem Datum an der Macht verbrachten Jahre seit seiner Wahl im Jahr 1992 werden nicht berücksichtigt, weil der wieder entbrannte Bürgerkrieg damals die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen verhinderte. Kurz, es deutet alles darauf hin, dass dos Santos und die MPLA die Absicht haben, sich der Wählerschaft erst dann zu stellen, wenn sie davon überzeugt sind, dass der Urnengang nicht nur keinerlei Gefahr für sie darstelllt, sondern im Gegenteil ihre Kontrolle über den angolanischen Staat festigt.

In diesem Kontext haben die Oppositionsparteien kaum etwas zu sagen. Die erste unter ihnen, die Unita, kämpft immer noch darum, ihre Einheit unter der Führung von Isaias Samakuva zu wahren. Erst zu Beginn dieses Jahres ist der alte Gegensatz zwischen dem militärischen und dem politischen Flügel wieder aufgeflackert. Auch wenn sich einige Parteien unter einer gemeinsamen Plattform zusammen geschlossen haben, scheint keine von ihnen in der Lage zu sein, dem Apparat der MPLA etwas entgegen zu setzen.

Ausserdem bleibt die freie Meinungsäusserung ausserhalb der Hauptstadt fragil. Mehrere Oppositionsparteien haben sich darüber beklagt, dass sie in den Provinzstädten nicht frei agieren können, und es gab Berichte über Einschüchterung und physische Gewalt gegenüber Mitgliedern der Opposition, ohne dass eine seriöse Untersuchung dieser Vorfälle angeordnet worden wäre. Die Regierung überwacht des weiteren die Presse sehr genau, auch wenn es in der Hauptstadt Raum für freie Meinungsäusserung gibt.

Reichtum im Machtzentrum – Armut im Lande

Die MPLA und ihr Präsident üben die ungeteilte Kontrolle über alle Hebel der Macht aus, und die dem hohen Erdölpreis zuzuschreibende blendende Entwicklung der Wirtschaft behagt natürlich der herrschenden Oligarchie (der IMF verkündete im Mai 2006 für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 26 Prozent). Die ausländischen privaten und institutionellen Anleger drängeln ins Land, um ihren Teil am gigantischen Kuchen zu ergattern, den der Wiederaufbau der während des Krieges zerstörten Infrastruktur darstellt. Die Verfügbarkeit von neuem Geld auf der Grundlage einer Verpfändung der zukünftigen Erdölproduktion erlaubt Angola, auf Vereinbarungen mit dem IMF zu verzichten. Auf diese Weise kommt die angolanische Regierung darum herum, sich den Forderungen des IMF nach Transparenz zu stellen. Damit kann sie das ausgedehnte Verteilnetz an ihre Klientel aufrecht erhalten, auf dem ein Teil ihrer Macht beruht, denn die ausländischen Investoren, allen voran China, stellen an die Vergabe ihrer Anleihen keinerlei Bedingungen nach guter Gouvernanz.

Beim Wiederaufbau des Landes legt die Regierung nach wie vor das Gewicht auf Infrastrukturvorhaben von pharaonischem Ausmass, die – so nützlich sie langfristig sein mögen – zu Lasten von direkteren Massnahmen der Armutsbekämpfung gehen. Das Land figuriert übrigens weiterhin ganz am Ende des UNO-Indexes für menschliche Entwicklung, und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung wartet noch immer auf die Auszahlung einer Friedensdividende. Gleichzeitig prangern mehrere Berichte die grassierende Korruption innerhalb der regierenden Elite an (vgl. dazu den Artikel „Keine Straffreiheit für Korruption“ in diesem Bulletin). Die Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Reichtümer des Landes wird sicher lauter werden. Paralell dazu wächst für das herrschende Regime jedoch die Notwendigkeit, kein Jota seiner Macht abzugeben. In einem solchen Umfeld muss der soziale Frieden zerbrechlich bleiben.

Der Autor Didier Péclard forscht seit rund zehn Jahren zu Angola und hat kürzlich eine Dissertation zum Thema „Kolonialstaat, christliche Mission und Nationalismus“ abgeschlossen. Zur Zeit arbeitet er bei SwissPeace in Bern im Rahmen des NCCR Nord-Süd (Nationales Forschungsprogramm).

Cabinda: Frieden in Sicht?

hus. Die angolanische Regierung und Vertreter der separatistischen FLEC, der Befreiungsfront von Cabinda, haben ein Memorandum für Frieden und Verständigung unterzeichnet. Cabinda ist die an der Kongo-Mündung gelegene Enklave, die politisch zu Angola gehört. In Cabinda und in den zu Cabinda gehörenden Küstengewässern liegen die grossen Erdöllager, die Angola Milliardenerlöse bringen.

In Cabinda ist seit 1974 eine militärische Bewegung aktiv, die FLEC. Diese verfolgt das Ziel der Loslösung der Enklave von Angola. Der militärische Kampf ist jedoch seit geraumer Zeit zum Stillstand gekommen. Die angolanische Armee ist nach dem Ende des Bürgerkrieges mit der Unita in Cabinda stark vertreten und hat die Lage unter Kontrolle. Die cabindische Befreiungsbewegung hat sich in verschiedene Splittergruppen aufgelöst.

Die militärische Befriedung Cabindas durch die angolanische Armee ist stets begleitet gewesen durch massive Menschenrechtsverletzungen. Nichtregierungsorganisationen beklagten immer wieder Übergriffe auf die Zivilbevölkerung.

Die USA, die an einer sicheren Versorgung durch Erdöl interessiert sind, haben den Abschluss des Memorandums begrüsst. Einzelne Fraktionen der Separatisten hingegen verurteilen es und fühlen sich nicht daran gebunden. Ihnen geht die Anerkennung der angolanischen Souveränität, also die Zugehörigkeit zu Angola zu weit.

Im Memorandum wird Mitgliedern der cabindischen Separatistenbewegungen eine Amnestie zugesagt. Deshalb wird das Memorandum nach Berichten durch die cabindische Zivilgesellschaft weit besser aufgenommen als etwa durch die Auslandvertretungen der Separatistenorganisationen. Es wird erwartet, dass nun in Cabinda eine rasche militärische Entspannung eintritt.

Die zivile Kollaboration Kubas in Angola 1976 -1991
Latino-afrikanische Solidarität

Die ersten fünfzehn Jahre des unabhängigen Angola waren von zahlreichen bewaffneten Konflikten geprägt – und von der Präsenz einer halben Million Kubaner, die vor allem als Militärs auf Seiten der MPLA-Regierung kämpften, um das Land gegen die südafrikanischen Übergriffe zu verteidigten. Der Artikel befasst sich mit einem weniger bekannten Aspekt dieser enorm aufwändigen Intervention eines Entwicklungslandes in Afrika, nämlich mit der Tatsache, dass etwa ein Zehntel der KubanerInnen als Ärzte, Lehrer, Bauarbeiter, Berater oder Techniker in Angola im Einsatz waren. Bei Nachforschungen vor Ort trifft die Autorin Christine Hatzky auf gemischte Gefühle und Erinnerungen.

Der Auslandseinsatz war hinsichtlich seines Umfangs und seiner Dauer sowie aufgrund seiner weitgefächerten Einsatzgebiete der grösste Kubas und stellt ein absolutes Novum in der afrikanisch-lateinamerikanischen Geschichte dar. Bezug nehmend auf die zahllosen Afrikaner, die bis Ende des 19. Jahrhunderts als Sklaven nach Kuba verschleppt worden waren, definierte Fidel Castro Kuba Ende 1975 als eine „Latino-Afrikanische Nation“ und lieferte damit eine politische und kulturelle Begründung für den Angola-Einsatz.

Da sich der angolanische Unabhängigkeitskonflikt rasch als einer der grössten Stellvertreterkriege des Kalten Krieges in Afrika entwickelte, stand bisher vor allem der militärische Part des kubanischen Einsatzes im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Arbeit der kubanischen Zivilisten wird, wenn überhaupt – selbst in angolanischen und kubanischen Publikationen – nur am Rande erwähnt. Dabei tragen kubanische Ärzte in „internationalistischer Mission“, wie die Auslandseinsätze in Kuba definiert werden, bis heute zum legendären Ruf der Insel bei, nicht zuletzt dadurch, dass die Einsätze überlebenswichtigen Bedürfnissen entsprechen: medizinische Versorgung, Bildung, Bauwesen, Agrartechnik oder Tierzucht. Die Kubaner – selbst Einwohner eines Entwicklungslandes – sind aufgrund ihrer Lebenserfahrung oftmals besser für diese Hilfseinsätze qualifiziert als beispielsweise Entwicklungshelfer aus westlichen Ländern oder den ehemaligen Ostblockstaaten. Dies darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der zivile Einsatz in Angola integraler Bestandteil einer politisch-militärischen Strategie war. Trotzdem entwickelte die zivile Zusammenarbeit in diesem Fall auf beiden Seiten eine ganz eigene Dynamik, eigene Strukturen und Mechanismen, die eine besondere Betrachtung rechtfertigen.

Kubanische Intervention im kritischem Zeitpunkt

Die kubanisch-angolanische Zusammenarbeit begann im Frühjahr 1975 mit der Bitte des damaligen angolanischen Präsidenten Agostinho Neto um finanzielle und militärische Unterstützung der MPLA, die schon seit den sechziger Jahren Beziehungen zu Kuba pflegte. Kurz vor dem festgelegten Unabhängigkeitsdatum reagierten die Kubaner mit der massiven Entsendung von Spezialtruppen, die Sowjetunion lieferte das dafür benötigte Kriegsgerät. Mit Hilfe der kubanischen Truppen, die die südafrikanischen Interventionstruppen, die UNITA und die FNLA besiegten, gelang es der MPLA, Angola in die Unabhängigkeit zu führen.

Fast gleichzeitig trafen auch die ersten kubanischen Ärzte in Angola ein, die die Aufgabe hatten, die Zivilbevölkerung zu betreuen und Spitäler wiederzueröffnen. Dies war nicht nur eine Reaktion auf die Kriegsfolgen, sondern auch auf den medizinischen Notstand, denn ein Großteil der Bevölkerung außerhalb der Städte hatte noch nie einen Arzt gesehen. Nach dem Ende des sogenannten zweiten Befreiungskriegs am 27. März 1976 war die Unabhängigkeit Angolas unter der politischen Vorherrschaft der MPLA zunächst zwar gesichert. Aber es fehlte dem – aufgrund seiner Bodenschätze und Rohstoffvorkommen an sich sehr reichen Land – an qualifizierten Arbeitskräften und Know-how. Durch die überstürzte Flucht eines Grossteils der portugiesischen Bevölkerung lag die industrielle und landwirtschaftliche Produktion Angolas völlig darnieder, außerdem waren über 90% der angolanischen Bevölkerung Analphabeten. Auch ein Großteil der staatlichen Institutionen war durch den Weggang der portugiesischen Kader lahmgelegt. Die kubanischen Zivilisten übernahmen in den kommenden Jahren nun teilweise die Transitionsaufgaben, die eigentlich die ehemalige Kolonialmacht hätte leisten müssen.

Unbekannter ziviler Einsatz

Der zivile Einsatz Kubas entwickelte sich aus dieser Ausgangslage heraus: Die kubanischen Truppen, grösstenteils aus Reservisten bestehend, die eigentlich zum Abzug bereit standen, wurden im April 1976 aufgefordert, in Angola zu bleiben und zum Wiederaufbau des Landes mittels ihrer zivilen Berufe beizutragen. Diesem Aufruf folgten zunächst 1000 Reservisten. In der ökonomisch und politisch-strategisch wichtigen Enklave Cabinda hatte bereits im Februar 1976 ein bildungspolitisches Pilotprojekt begonnen. Ein Team von 12 kubanischen Beratern aus dem Bildungsbereich sondierte u.a. auf regionaler Ebene die Anforderungen einer landesweiten Alphabetisierungskampagne; die nationale Kampagne wurde dann mit kubanischer Unterstützung Ende 1976 initiiert.

Im gleichen Zeitraum erfuhr der zivile Einsatz auf kubanischer Seite eine Institutionalisierung mit der Schaffung des „Consejo Estatal de Colaboración Económica“ (CECE), der künftig sämtliche technischen internationalistischen Auslandseinsätze und alle ökonomischen Austauschprogramme mit dem Ausland koordinierte. Auch in Angola wurden in den betreffenden Ministerien Abteilungen geschaffen, um die Hilfe aus dem Ausland zu koordinieren. Die zivile Kollaboration wurde mittels bilateraler Abkommen konkretisiert, denen ein im Juli 1976 zwischen Kuba und Angola unterzeichnetes Rahmenabkommen zugrunde lag. In der Regel formulierte Angola konkrete Anforderungen über Anzahl und Qualifikation von Fachpersonal und Kuba bemühte sich, die entsprechenden Personen auszuwählen und für einen Zeitraum von meist ein bis zwei Jahren zu entsenden. Die ersten grossen kubanischen Kontingente bestanden vor allem aus Bauarbeitern, Ingenieuren und Technikern, die in eineinhalb Jahren 23 zerstörte Brücken Angolas wiederaufbauten. Angola leistete von Beginn an finanzielle Entschädigung für die zivile Kollaboration Kubas. Die Zahlungen waren allerdings Konjunkturen unterworfen und wurden in Abhängigkeit von den finanziellen Möglichkeiten beider Länder immer wieder neu festgelegt.

Ab Frühjahr 1978 entsandte die kubanische Regierung auf Anfrage Angolas grosse Kontingente von Pädagogik-Studierenden, die neben Geschichte und Geografie alle naturwissenschaftlichen Fächer unterrichteten. Mit ihrer Hilfe sollte der akute Lehrermangel überbrückt werden. Bis 1986 leisteten insgesamt fünf studentische Kontingente ihren Dienst in Angola. Daneben waren auch ausgebildete kubanische Lehrkräfte an angolanischen Schulen, vor allem in der Sekundarstufe, in der Erwachsenenbildung und in der Lehrerausbildung tätig. Darüber hinaus kamen auch mehrere hundert UniversitätsprofessorInnen, vor allem in den Naturwissenschaften, Agrartechnik und Veterinärmedizin zum Einsatz und waren am Aufbau des angolanischen Hochschulwesens beteiligt. Kuba entsandte auch Berater ins Erziehungsministerium, wo in Zusammenarbeit mit angolanischen Pädagogen Lehrpläne, Unterrichtsinhalte und pädagogische Konzepte entworfen und erprobt wurden. Kubanische Berater waren auch an der Restrukturierung des angolanischen Bildungswesens beteiligt, das von seinen kolonialen Strukturen befreit und in ein modernes, auf Massenbildung ausgelegtes Erziehungssystem umgewandelt werden sollte. Wichtiger Bestandteil dieser Zusammenarbeit war ab 1977 auch die Ausbildung von angolanischen Kindern und Jugendlichen auf Kuba. Auf der „Isla de la Juventud“ wurde ein Landschul- und Internatszentrum geschaffen, in dem Kinder und Jugendliche aus Afrika, Asien und Lateinamerika ausgebildet wurden. Mehrere tausend angolanische SchülerInnen und Studierende erhielten hier mittels mehrjähriger Stipendien eine kostenlose Schul- und Hochschulausbildung.

Angola im kubanischen Bewusstsein

Diese ungewöhnliche Begegnung zwischen Kubanern und Angolanern hinterliess auf beiden Seiten sehr gemischte Gefühle und Erinnerungen. Die meisten Kubaner erlebten aufgrund der extremen sozialen Ungleichheit und den prekären Lebensverhältnissen, die sie antrafen – Elendsviertel, fehlende Hygiene und ärztliche Versorgung, lebensbedrohende Krankheiten, hohe Kindersterblichkeit, Hunger und Analphabetismus – einen kulturellen Schock. Angola wurde zum negativen Gegenpol ihrer eigenen Gesellschaft, ihre eigene Lebens- und Erfahrungswelt präsentierte sich ihnen als eine überlegene Zivilisation. Wegen der grossen Dimension des Einsatzes wurde „Angola“ zu einer kollektiven Erfahrung der kubanischen Gesellschaft. Angola bleibt in der Erinnerung vieler Kubaner – vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krisenjahre seit Beginn der 1990er Jahre – eine äusserst schwierige Etappe ihrer Geschichte.

Viele Angolaner äussern sich im Nachhinein zwar positiv über den zivilen Einsatz, vor allem im Bildungsbereich – dennoch heben sie immer die großen sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten und die kulturellen Unterschiede hervor. Außerdem muss aus angolanischer Perspektive berücksichtigt werden, dass nach dem Abzug der Kubaner aus Angola der interne Krieg um Macht und Ressourcen mit ungeheurer Zerstörungskraft bis zum Tod Savimbis im Jahre 2002 weiterging. Viele der Probleme im Gesundheits- oder Bildungsbereich, die mit Hilfe der Kubaner in Angriff genommen worden waren, stagnierten und die Erfahrung mit den Kubanern stellt sich den Angolanern in der Retrospektive als eine abgeschlossene Episode inmitten des Krieges dar.

Die kubanische Präsenz in Angola endete durch den im Dezember 1988 in New York unterzeichneten Friedensvertrag zwischen Südafrika, der MPLA-Regierung und Kuba, der die Unabhängigkeit Namibias an den Rückzug der kubanischen Truppen aus Angola knüpfte. Mitte Juni 1991 kehrten die letzten Kubaner – Zivile und Militärs – aus Angola zurück. In der Folgezeit reduzierte sich die kubanische zivile Präsenz in Angola auf ein Minimum.

Der Artikel beruht auf einigen vorläufigen Ergebnissen eines laufenden Postdoc-Projektes am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen. Die Autorin Christine Hatzky führte vor Ort Interviews mit KubanerInnen und AngolanerInnen durch.

Kritisierte Schweizer Rolle im Korruptionssumpf
Keine Straffreiheit für Korruption

Gelder aus angolanischen Korruptionsfällen landen immer wieder in der Schweiz. Gegenwärtig wird der Einsatz bisher blockierter Millionen für humanitäre Projekte in Angola ausgehandelt. Zugleich hat das Bundesgericht die Rüge gegen eine Schweizer Bank wegen mangelnder Sorgfaltspflicht im Umgang mit angolanischen Konten bestätigt. Die angolanische wie die schweizerische Zivilgesellschaft kämpfen um Verbesserungen. Eine Zusammenfassung von Stefan Howald.

Am Anfang der dubiosen angolanischen Gelder in der Schweiz steht Angolagate, ein weit verzweigter, internationaler Korruptionsfall, der im Jahr 2000 in Frankreich aufflog, als Ermittlungen wegen illegalen Waffenhandels mit Angola 1993/94 begannen und dann auch die 1996 vorgenommene Umschuldung Angolas mit Russland einbezogen wurde. Die englische NGO Global Witness hat ausführlich dokumentiert, wie dabei Gelder abgezweigt wurden (das Afrika-Bulletin berichtete letztmals in Nummer 121 darüber). Rund 600 Mio. US-Dollar tauchten auf Konten auf, die den Mittelsmännern Pierre Falcone und Arkadi Gaydamak sowie einer Reihe obskurer Gesellschaften gehörten, wobei Millionen auf Privatkonten hoher angolanischer Funktionäre wie auch von Staatspräsident José Eduardo dos Santos landeten. Falcone war im Übrigen eine der Hauptfiguren im grossen Finanzskandal um die französische Ölfirma Elf, in dem Leute wie der frühere französische Innenminister Charles Pasqua und der Präsidentensohn Jean-Christophe Mitterrand impliziert waren.

Weitere Untersuchungen abgeblockt

Etliche der Transaktionen von Angolagate liefen über Genfer Konten bei der UBS, wobei der Hauptteil der Gelder in noch fernere Steuerhäfen weiterverschoben wurde. Immerhin blockierte ein Genfer Untersuchungsrichter im Februar 2002 wegen eines französischen Rechtshilfebegehrens auf vier Genfer Konten insgesamt 21 Mio. US-Dollar, die angolanischen Funktionären gehörten. Doch Ende 2004 stoppte der Genfer Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli die Untersuchung. Er berief sich auf den Entscheid einer Vorinstanz und erklärte, weil keine Klage aus Russland oder Angola eingegangen sei, könne nicht weiter wegen Korruption ermittelt werden. Diese Interpretation wurde und wird von Kennern der Affäre bestritten, da in den bisherigen Untersuchungsunterlagen klare Tatindizien zusammengestellt seien. Aktion Finanzplatz Schweiz, Erklärung vpn Bern und Global Witness forderten deshalb zusammen mit angolanischen NGOs die Fortführung der Untersuchung. Tatsächlich schwelt die Affäre in Frankreich weiter, obwohl sich Falcone mit einem angolanischen Diplomatenpass dem Gericht in Paris entzog. Auch Gaydamak, gegen den ein internationaler Haftbefehl aus Frankreich läuft, setzte sich zuerst nach Israel und dann nach Russland ab und kauft mittlerweile mit seinem beträchtlichen Vermögen Zeitungen sowie Fussballclubs auf – probate Mittel zur Beeinflussung der Meinungsbildung und zur Steuerminimierung.

Der Entscheid des Genfer Generalstaatsanwalts Zappelli von Ende 2004 war allerdings in seiner Ambivalenz nicht uninteressant. Obwohl er die Untersuchung einstellte, gab er die blockierten Millionen nicht sofort für die angolanischen Konteninhaber frei. Explizit erlaubte er vielmehr den angolanischen und schweizerischen Behörden, über Bedingungen zur Rückführung der Gelder zu verhandeln. Implizit gab er so zu verstehen, dass er die Gelder tatsächlich für dubios hielt. Am 1. November 2005 unterzeichneten die Schweiz und Angola ein Abkommen zur Rückführung der Gelder. Sie sollen von einer bilateralen Kommission für humanitäre Projekte in Angola eingesetzt werden. Federführend auf Schweizer Seite ist dabei die DEZA. Aktion Finanzplatz Schweiz und Erklärung von Bern bemängelten erneut die Einstellung des Korruptionsverfahrens und forderten den Einbezug der angolanischen Zivilgesellschaft beim Einsatz der Gelder.

Das ist, zugegeben, keine leichte Aufgabe. Kontinuierliche Ansprechpartner sind schwierig zu finden. In Angola existiert nur eine schwache Zivilgesellschaft und eine zersplitterte politische Opposition, wie der Artikel von Didier Péclard in diesem Afrika-Bulletin belegt. Diese Kräfte müssen sich gegen eine neoliberale Wirtschaftspolitik mit rigider politischer Kontrolle im Dienste eines kleinen Clans behaupten. «Futungo», der Name des Präsidentenpalastes, dient auch zur Bezeichnung der engsten Klientel im Umkreis des Präsidenten.

Extensive Korruption

Tatsächlich ist die Korruption in Angola unbestritten. Transparency International führt das Land auf dem Korruptionsindex 2005 an 151. Stelle von 159 Ländern. Human Rights Watch hat geschätzt, dass allein zwischen 1997 und 2002 rund 4,2 Mrd. US-Dollar aus Ölgeschäften abgezweigt wurden, also gleich viel, wie für Soziales ausgegeben wurde. Für das Jahr 2002 wurde das Vermögen der 60 reichsten Bürger Angolas auf zusammen 3,95 Mrd. US-Dollar geschätzt, was damals rund 35 % des Bruttosozialprodukts entsprach. Die sieben reichsten Angolaner gehörten alle der Regierung an.

Seither sind die Ölpreise explodiert und boomt die Wirtschaft in Luanda und in den Fördergebieten. Die Korruption hat nicht abgenommen. Gelder zirkulieren im Dreieck zwischen dem Präsidenten, der Ölfirma Sonangol und der Nationalbank, wobei das öffentlicher Kontrolle zugänglichere Finanzministerium übergangen wird. Zwar sind in den letzten Jahren einige Funktionäre wegen Korruption verurteilt worden, aber zumeist standen dahinter politische Abrechnungen innerhalb der Elite. Versuche, mehr Transparenz herbeiführen, werden durch den Ölhunger des Westens und Chinas untergraben, welche die angolanische Regierung gegeneinander ausspielen kann. Insbesondere China ist bereit, seine Kredite und Handelsverträge ohne lästige Verpflichtungen auf irgendwelche Kriterien der Good Governance abzuschliessen. Präsident Dos Santos hat riesige Gelder vor allem in Brasilien angelegt. In Presseberichten wird er gelegentlich als einer der zehn reichsten Männer Brasiliens bezeichnet. Seine Fundaçao Eduardo dos Santos (FESA) wie auch andere Stiftungen dienen wahlweise als Briefkastenfirma, schwarzes Loch und Bestechungsinstrument. Gleichzeitig rangiert Angola auf dem Human Development Index der UNO weiterhin sehr weit unten, nämlich an 160. Stelle von 177 Ländern.

Die korrupten Praktiken sind durch einen Entscheid des Bundesgerichts bestätigt worden, das Massnahmen der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) stützte. Eine auf den Bahamas angesiedelte Tochtergesellschaft der Genfer Banque de Patrimoines Privés war von der EBK gerügt worden, weil sie die Sorgfaltspflicht im Umgang mit angolanischen Geldern der Regierung und von Sonangol verletzt hatte. Die EBK hatte geurteilt, die entsprechenden Fonds seien offenbar ohne gesetzliche Grundlage aus Erträgen von Ölgeschäften von Offshore-Firmen gespiesen und vorab für undurchsichtige Barzahlungen verwendet worden. Das Bundesgericht hat kürzlich eine Beschwerde gegen die Verfügung abgewiesen, womit belegt worden ist, dass die korrupten Mechanismen auch in jüngerer Zeit weiter bedient worden sind.

Der Angola-Spezialist David Sogge hat allerdings darauf hingewiesen, dass die angolanische Korruption nicht einseitig betrachtet werden darf. «Die Probleme von Angolas innerer Governance sind zugleich Probleme der globalen Governance: Die beschränkte Verantwortung, die globale Offshore-Firmen praktizieren, setzt auch den bürgerlichen Rechten der Angolaner im Inland Grenzen.»

Bezüglich der Verwicklung der Schweiz stellen sich drei Fragen:

  • Anstössig bleibt die Tatsache, dass ein Korruptionsfall straffrei ausgehen soll. Ein Artikel in Le Monde, der sich mit angolanischen und kasachischen Geldern in der Schweiz beschäftigt, hat kürzlich gefolgert: «Die Moral des Systems lautet: Kommt mit euren Geldern weiter zu uns, und wenn ihr auffliegt, so riskiert ihr im schlimmsten Fall, dass ihr Gelder an humanitäre Projekte bezahlen müsst.» Tatsächlich bleiben trotz des formal verbesserten Instrumentariums der Schweiz zur Bekämpfung von illegalen Geldern Lücken bei der Umsetzung. Selbst Vertreter der Bundesbehörden räumen informell ein, dass die Schweiz bei der Rückführung entsprechender Gelder erfolgreicher ist als bei der Strafverfolgung. Aktion Finanzplatz Schweiz und Erklärung von Bern überprüfen deshalb die Möglichkeit, bei der OECD eine Beschwerde gegen die Schweiz wegen Nichterfüllung ihrer Pflicht zur Korruptionsbekämpfung einzureichen, um so eine neue Untersuchung in dem Korruptionsfall zu veranlassen.
  • Die Schweizer Verschwiegenheit erschwert eine öffentliche Auseinandersetzung und die Beteiligung der Zivilgesellschaft. Auf ihre Briefe an den Genfer Generalstaatsanwalt haben Aktion Finanzplatz Schweiz, Erklärung von Bern und Global Witness keine Antwort erhalten. Föderalistische Strukturen und politische Rücksichtnahmen sowie ein extensiv ausgelegtes Untersuchungsgeheimnis behindern eine demokratische Lösung.
  • Die Rückführung der blockierten Gelder erfolgt innerhalb enger Grenzen. Zwar ist eine gemeinsame bilaterale Entscheidung und Kontrolle der zu finanzierenden Projekte vorgesehen. Die DEZA verfügt mit ihrem bisherigen Angola-Programm und dem Büro in Luanda durchaus über entsprechende Kompetenzen. Und die Freigabe der Gelder geschieht letztlich in Bern. Die bisher geplanten Projekte im Bereich der Minenräumung und der Lehrlingsausbildung machen an sich Sinn. Dennoch besteht gerade bei der Minenräumung die Gefahr der politischen Instrumentalisierung. Zudem zeigt die DEZA eine Tendenz, sich als alleinige Sachwalterin der Zivilgesellschaft zu präsentieren. Um den Einbezug ziviler Organisationen in Angola zu garantieren, haben Aktion Finanzplatz Schweiz und Erklärung von Bern deshalb bei der DEZA um Gespräche nachgesucht. Dass dies schwierig ist, entbindet nicht von der Aufgabe, für einen wirklich demokratischen und transparenten Einsatz der Gelder zu sorgen.

Stefan Howald ist Mitarbeiter der Aktion Finanzplatz Schweiz und Redaktor der Finanzplatz Nachrichten. Weitre Informationen unter: www.aktionfinanzplatz.ch.

Hip-Hop für Demokratie
Interview mit »MCK«

Der angolanische Hip-Hopper »MCK« behandelt in seinen Liedern die politische und soziale Situation in Angola. Er hat in Angola mehrere CDs veröffentlicht. "medico intrnational" führte via Email ein Interview mit ihm.

Was war Deine Motivation, Musiker zu werden und wann hast Du angefangen, Musik zu machen?

Bevor ich mich ganz der Musik gewidmet habe, machte ich Breakdance, das Tanzelement im Hip-Hop – ohne dass mir wirklich bewusst war, was ich tat. Ich fand es einfach toll, wie sich andere bewegten und wollte auch tanzen. Anfangs bin ich einfach Trends hinterhergelaufen und habe kopiert, was amerikanische Künstler gemacht haben. Aber das ist ziemlich lange her. Inzwischen bin ich zu einer eigenständigen Persönlichkeit herangewachsen und das gleiche gilt für meine Musik. 1996 haben meine Freunde und ich einen autodidaktischen Bildungs-Marathon gestartet. Wir haben massenweise Bücher der unterschiedlichsten Art gelesen, grösstenteils afrikanische Schriftsteller der 1960 er Jahre. Es ging um Afrikanismus und darum, was es bedeutet, schwarz zu sein. Wir entwickelten mehr und mehr das Bedürfnis, unsere kulturellen Werte wieder zu finden und gesellschaftliche Missstände zu bekämpfen. Und so fing ich an, Musik als Medium zu sehen, um Leute aufzurütteln und zum Nachdenken zu bringen.

Viele AngolanerInnen mögen deine Musik. Wen spricht Deine Musik an?

Meine Musik richtet sich nicht an ein bestimmtes Publikum. Sie wird momentan von allen gehört, sowohl von den Jungen als auch von den Älteren. Einer meiner Songs wurde zum Beispiel als Slogan von Studenten benutzt, ein anderer erschien in einer Lokalzeitung. Es gibt eine Menge Wirbel um meine Musik, aber natürlich hauptsächlich wegen der Geschichte von dem Jungen, der erschossen wurde. (2003 ermordete einer der Bodyguards des angolanischen Präsidenten dos Santos einen jungen Autowascher, der einen Song von MCK summte. Der Getötete wurde in Luanda zum Symbol für die anhaltende Ungerechtigkeit im Land, MCK unterstützt seither seine Familie; Anmerkung der Redaktion). Weil meine Lieder Teil der angolanischen Wirklichkeit sind, fühlen sich viele Menschen davon angesprochen und können verstehen was ich sage.

In einigen Songs werden heikle Themen angesprochen, wie zum Beispiel Korruption. Gibt es eine Grundaussage in all deinen Songs?

Mein grösstes Anliegen ist, die Wirklichkeit durch Kunst zu beeinflussen – indem ich über unser Land spreche, über unser Volk. Ganz spezielle Dinge, die symptomatisch für unsere Lebenswelt sind, für unsere Sehnsüchte, Leidenschaften und Bedürfnisse, unsere Freude und Trauer. Generell benutze ich Reime und Verse, um damit Momentaufnahmen des angolanischen Alltags zu zeigen. Sie sind ein Appell an das Bewusstsein; die Menschen sollen darüber nachdenken, wie schwierig das Leben für jeden von uns ist. Schwierig wegen der Menschenrechtsverletzungen, wegen des Machtmissbrauchs, wegen der Arbeitslosigkeit und der daraus folgenden miserablen Lebensqualität, wegen der Unfähigkeit der Regierung und der Korruption, die in Angola schamlos zur Schau gestellt wird: In Angola nutzen die oberen Zehntausend ihre Macht, um sich am Rohstoffhandel zu bereichern und lassen dabei die Mehrheit der Bevölkerung verarmen.

Kann Musik wirklich etwas verändern?

Ja, da bin ich mir absolut sicher. Gesellschaftliche Beiträge kommen nicht nur von Politikern. Kunst ist eine Form einzugreifen und kann das Bewusstsein überall auf der Welt verändern. Kunst überwindet die Schranke zwischen den Kulturen, denn jeder Song, jedes Bild und jedes Gedicht ist mit Gefühlen, Idealen und Gedanken aufgeladen, die nach Veränderungen schreien – ganz gleich, um welche Gesellschaft es sich handelt. Meine Musik ist der beste Beweis dafür, denn ich werde nicht nur als Musiker wahrgenommen, sondern repräsentiere für viele Angolas Demokratie. In ihren Augen stehe ich für den Mut und den Willen, Forderungen zu stellen und eine kritische Sicht einzunehmen. Sie sehen mich auf ihrer Seite, wenn es um die gerechte Verteilung von Leistungen geht, die uns allen zusteht. All das hat viele Dinge verändert, vor allem in den Köpfen. Ich bin mir bewusst, dass Veränderungen nicht über Nacht passieren. Wie alles Grosse brauchen sie eine lange Zeit.

Was sind deine Wünsche für deine Zukunft und die deines Landes?

Mein grösster Wunsch ist, dass wir die Würde zurückbekommen, die uns vor über 500 Jahren geraubt wurde. Es geht darum, Angolas geistiges Leben wieder zu beleben und dieses Land zu einem Ort zu machen, an dem man gerne sein möchte. Ein Ort mit einer besseren Lebensqualität, wo die Menschen ihre Träume verwirklichen können, ohne unterdrückt oder verachtet zu werden. Ein Ort an dem sie darauf vertrauen können, dass die Machthaber Dinge im positiven Sinne vorantreiben. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen in einem System sozialer Gerechtigkeit gut aufgehoben fühlen, im Leben generell. Und ich möchte diesen unerträglichen Zustand von Armut, Hoffnungslosigkeit und Krieg ungeschehen machen, der alles ist, was mein Land uns und der Welt da draussen bis jetzt zu bieten hatte.

Das Interview wurde in der Broschüre "Der Stoff, aus dem die Kriege sind - Rohstoffe und Konflikte in Afrika" von medico international übernommen (www.medico.de). Übersetzung aus dem Englischen: Andrea Frey.

 

Afrika in Kürze

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Südafrika
Boomende Automobilproduktion

Südafrika ist einer der wenigen Hersteller von Automobilen in Afrika. Produziert wird nicht nur für den einheimischen Markt, sondern es wird auch in die nördlichen Nachbarländer exportiert. 2005 stiegen die Exporte der wichtigsten Automobilproduzenten wie VW, Mercedes, Toyota und Ford um 57 Prozent (von 24'400 auf 38'500 Fahrzeugen). Das Schwergewicht liegt bei Geschäftswagen. 2005 wurden 1000 neue Stellen in der Automobilproduktion geschaffen.

Soweto-Tourismus zieht an

Nach Kapstadt und dem Krüger-Nationalpark ist Soweto zur drittwichtigsten Tourismusdestination Südafrikas geworden. Das 900’000-Personen-Township ist als Symbol des nationalen Befreiungskampfes zum Magnet für südafrikanische und internationale Touristen geworden. Etwa 250'000 Personen haben in den letzten Jahren Soweto besucht. Mit speziellen Kampagnen versucht die „Johannesburg Tourism Company“ mehr Leute nach Soweto zu bringen, so nach dem Motto “Enjoy another Day in Jo’burg“, denn Touristen bleiben durchschnittlich nur drei Tage in der Wirtschaftsmetropole. In Soweto ist u.a. von besonderem Interesse das Hector Peterson Memorial Museum zur Geschichte des Soweto-Aufstandes von 1976. Jetzt wird der Ausbau der touristischen Infrastruktur stark vorangetrieben. Auf die Fussball-WM 2010 wird ein weiteres starkes Wachstum des Tourismus erwartet.

Links:

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Angola
Diamantenproduktion

2005 sind in Angola 6,7 Mio. Karat Diamanten geschürft worden mit einem Handelswert von über 1 Milliarde US$. Damit wurde ein neuer Höhepunkt erreicht. Angola liegt weltweit in der Diamantenproduktion an dritter Stelle hinter Botswana und der DR Kongo. Ebenfalls ist im Land eine erste angolanische Diamantenschleiferei eröffnet worden. Die Produktion und Vermarktung liegt in den Händen israelischer, brasilianischer, britischer und portugiesischer Firmen. Doch die Kehrseite: Im Diamantenabbau arbeiten rund 300'000 illegale Schürfer, oft für ein Taschengeld und ohne Arbeitsschutz. Und über die Kriterien für die Vergabe von Konzessionen und die Verwendung der Einnahmen aus Konzessionen und Handel legt die angolanische Regierung keine Rechenschaft ab. Was heisst, dass die Erträge in die Taschen der Nomenklatura fliessen, gleich wie beim Erdöl…

Mit Beginn der Trockenzeit wird ein Rückgang der grassierenden Cholera festgestellt. Im ersten Halbjahr 2006 wurden 41 000 Cholerafälle registriert, davon endeten 1500 tödlich. Die Krankheit war im Februar im Armenquartier Boa Vista in Luanda ausgebrochen und verbreitete sich rasch über die ganze Stadt. Nach Angaben der WHO waren schliesslich 13 der 18 Provinzen von Cholera betroffen. Die Verbreitung geschah, indem verschmutztes Wasser aufgrund starker Niederschläge nicht abfloss. Kritisiert wird das Verhalten der Regierung. Ein Vertreter von Médecins sans Frontières stellt fest, dass die Regierung über ausreichend Mittel verfüge, die Krankheit zu bekämpfen. Sie hätte viel früher reagieren und die betroffenen Gebiete mit sauberem Trinkwasser versorgen müssen. Die Regierung habe durch ihr Untätigsein praktisch erlaubt, dass sich die Cholera ausbreiten könne. Einheimische Nichtregierungsorganisationen werfen der Regierung Heuchelei vor, indem sie einerseits das hohe Wirtschaftswachstum Angolas rühme, aber nichts gegen die Krankheit unternommen und lediglich an die Hilfsbereitschaft der Geberländer appelliert habe. Es wird kritisiert, dass – siehe auch die oben stehende Kurzmeldung – das Geld in die Taschen der Reichen fliesse und nichts übrig bleibt für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, ja nicht einmal für eine geordnete Müllabfuhr.

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Guinea-Bissau
Dominante Cashew-Nüsse

Der von Krisen geschüttelte westafrikanische Kleinstaat lebt vom Anbau von Cashew-Nüssen. Diese wurden in der Zeit des portugiesischen Kolonialismus von Südamerika eingeführt und erlebten in den letzten Dekaden einen rasanten Aufstieg. Heute ist Guinea-Bissau nach Moçambique – wo ebenfalls die Portugiesen die Nüsse einführten – der zweitgrösste Cashew-Produzent in Afrika und der fünftgrösste überhaupt. 90 Prozent der Einnahmen von Guinea-Bissau stammen aus dem Anbau der Nüsse. Allerdings werden auf dem Weltmarkt sehr tiefe Preise für unverarbeitete Nüsse bezahlt, weshalb Projekte für eine Verarbeitung im eigenen Land bestehen. Mit dem Aufstieg der Cashew-Produktion ging der Niedergang des Reisanbaus einher. Heute hat das Land ein Defizit an Reis und muss diesen importieren.

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China-Afrika
Boom und Gefahren

Chinas Handelsexporte nach Afrika nehmen gigantische Ausmasse an (siehe dazu den Schwerpunkt im Afrika-Bulletin 122; Jan.-Feb. 2006). Die Tendenz hält an. Nun meldet Tanzania, dass der China-Handel im letzten Jahr um 70 Prozent zugenommen habe. Die chinesischen Exporte nach Tanzania haben im gleichen Jahr um 150 Prozent zugelegt.
Im Juni gab die grösste chinesische Raffinerie Sinopec bekannt, sie habe Anteile an einem Ölfeld in Angola gekauft, dessen Reserven auf 3,2 Mio. Barrel geschätzt werden. Sinopec will die eigene Produktion um 100 000 Barrel pro Tag erhöhen. Damit hat Angola Saudiarabien als grössten Erdöllieferanten Chinas abgelöst.

In Südafrika wächst das kritische Bewusstsein ob der Zunahme des chinesischen Einflusses. So hat Präsident Mbeki Befürchtungen geäussert, dass die Billigprodukte aus China die fragilen afrikanischen Industriebetriebe in Bedrängnis bringen können. Der südafrikanische Gewerkschaftsdachverband Cosatu schätzt, dass seit 2001 800 Fabriken schliessen mussten und aufgrund der Billigimporte aus China 60'000 Arbeitsplätze verloren gingen.

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Mozambique
Hoffnungen geplatzt

Vor zwei, drei Jahren wanderten zahlreiche enteignete Farmer von Zimbabwe nach Mozambique aus und siedelten sich im Beira-Korridor an. Sie erhielten von der Regierung grosse Ländereien als Pachtland zur Benutzung und von internationalen Konzernen auch Kapitalhilfen. Mehrere Tausend afrikanische Arbeiter wurden unter Vertrag genommen. Doch heute herrscht Ernüchterung: Die landwirtschaftlichen Produkte und Anbaumethoden, welche die Farmer in Zimbabwe hatten, lassen sich nicht auf Mozambique übertragen. Die Länderein in der Manica-Provinz liegen etwa 700 Meter tiefer als in Zimbabwe und es ist dort 2 bis 3 Grad wärmer. Was in Zimbabwe gut wuchs, wächst unter diesen veränderten Bedingungen nicht gleich. Das betrifft vor allem den Tabak und die Rosen, beides aus Zimbabwe „exportierte“ Produkte, für die auf dem Weltmarkt Abnehmer bestanden.
Zudem zeigte sich, dass den Farmern in Zimbabwe ein starkes Netzwerk in der landwirtschaftlichen Beratung zur Verfügung stand. Nicht so in Mozambique. Zudem besteht in Mozambique kein Finanz- und Kreditsystem, so wie es ehemals in Zimbabwe bestand. Und mit den mässigen oder enttäuschenden landwirtschaftlichen Resultaten sind auch die Startkredite der internationalen Abnehmer, beispielsweise der Tabakfirmen, erschöpft. Zahlreiche Farmen haben deshalb ihr Engagement reduziert und Beschäftigte entlassen.

Boden wird nicht privatisiert

Die mozambiquanische Regierung beabsichtigt nicht, den im Zeitpunkt der Unabhängigkeit (1975) verstaatlichten Boden wieder zu privatisieren. Eine Privatisierung könne weder die Probleme in der Landwirtschaft noch beim Wohnungsbau lösen, wird geltend gemacht. Land kann werder gekauft noch verkauft werden. Das Recht auf die Bodennutzung wird durch langjährige Pachtverträge gewährt. Die staatliche Kontrolle über die Bodenvergabe wird durch Organisationen der Zivilgesellschaft überwacht. Bei einer Privatisierung wird (wohl zu recht) befürchtet, dass der Landbesitz rasch auf einige wenige sehr Reiche konzentriert wird. Landbesitz von Kleinbauern könnte durch wirtschaftlichen Druck und finanzielle Verlockungen weiter verkaft werden. Dabei wird auf die Erfahrungen in Nachbarländern verwiesen.

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Namibia
Bahnprojekte werde realisiert

Der Ausbau der Infrastruktur, namentlich Strassen und Bahn, sind oftmals Voraussetzungen für eine weitere regionale und ländliche Entwicklung. Namibia macht Ernst: Die Verlängerung der Bahnlinie über den Bergbauort Tsumeb an die angolanische Südgrenze kommt voran. Die Bahnlinie ist bereits bis Ondangwa fertig gestellt. Nun wird mit dem Bau die Linie bis zur Grenze begonnen, als nächstes soll Oshikango erreicht werden. Die Absicht ist, Schwertransporte wie Erz und Zement vorrangig mit der Bahn zu befördern und damit beizutragen, dass die Strassenschäden durch Schwertransporte verringert werden. Die Bahnstrecke von Lüderitz bis Aus wird modernisiert. Über sie erfolgt der Abtransport von Zink und Kupfer von den Minen Rosh Pinah und Skorpion.

Kapitalvernichtung durch Währungsreform
Zimbabwes Dauerkrise

Der Zimbabwe-Dollar wurde im August gegenüber dem US-Dollar um 60 Prozent abgewertet. Von der alten Zimbabwe-Währung wurden drei Nullen gestrichen. Ein US-Dollar kostet neu offiziell 250 Zim-Dollar. Im Januar war der offizielle Wechselkurs noch ein US-Dollar für 99 200 Zim-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt erhielt man aber für einen US-Dollar 140'000 Zim-Dollar. Für den Umtausch der alten Noten gab es grosse Restriktionen. So betrug die Umtauschzeit nur drei Wochen, und pro Woche konnten Private nur 100 Mio. Zim-Dollar umtauschen, Firmen nur 5 Mrd. Bei grösseren Beträgen musste die Herkunft nachgewiesen werden. Gertrud Baud fasst die jüngste Entwicklung zusammen.

Weil viel Bargeld zu Hause aufbewahrt wurde und nicht auf der Bank – vor allem auch auf dem Lande – setzte nach Bekanntwerden der Währungsreform ein wahrer Run auf alle Produkte an, Nahrungsmittel, Saatgut, Dünger und Maschinen wurden gekauft. Die Verknappung der Güter bewirkte einen Teuerungsschub. Längst nicht Alle konnten mit ihren alten Banknoten rechtzeitig sinnvolle Güter kaufen oder alle Noten umtauschen, sie haben ihr Geld verloren. Obwohl die Abwertung schon seit langem gefordert wurde, bezweifeln Fachleute, dass sie ihr Ziel, die Senkung der Teuerung (diese betrug im Juni 1185%) und die Eindämmung des Schwarzmarktkurses, erreicht.

Wirtschaft schrumpft weiter

Die Wirtschaftslage verschlechterte sich weiter dramatisch, die Wirtschaft schrumpft, die Produktion nimmt laufend ab. Die Goldproduktion sank in den letzten drei Jahren um 50 Prozent. Führungskräfte der Armee haben in letzter Zeit Einsitz in die obersten Organe der zivilen Verwaltung genommen, beispielsweise bei der Reserve Bank und beim Grain Marketing Board. Noch unklar ist die Bedeutung dieser Entwicklung: Will sich Präsident Mugabe damit den Machterhalt sichern? Will sich die Armee damit nur Geld und Nahrung sichern? Oder ist dies ein schleichender Militärputsch?

Im Mai vor einem Jahr begann die Regierung mit der Vertreibung von 700'000 Menschen von ihren Wohn- und Arbeitsorten, mit der Begründung, die Häuser seien ohne Bewilligung und schlecht gebaut worden und deshalb gesundheitsschädlich. Obwohl neben der Afrikanischen Union mehr als 200 NGOs in der ganzen Welt, darunter auch die Vereinigung Schweiz-Zimbabwe, gegen die Vertreibungsaktion protestiert hatten, führte die zimbabwische Regierung ihre Aktion weiter. Zum Jahrestag der Vertreibungsaktion haben die Kirchen Zimbabwes im Mai zu einem Gedenktag aufgerufen.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Vertriebenen sind heute viel schlechter als vor einem Jahr – obwohl die Regierung behauptete, die Vertreibungsaktion diene der Verbesserung der Lebensbedingungen! Viele Vertriebene haben noch keinen neuen Wohn- oder Arbeitsort gefunden. Sie leben bei Verwandten oder Bekannten oder in Behelfsunterkünften – auf jeden Fall viel schlechter, als am alten, zerstörten Ort. In die nun zerstörten Läden oder Werkstätten wurden alle vorhandenen Ersparnisse gesteckt, es ist kein Geld mehr für einen Neuaufbau vorhanden. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass durch die Vertreibungsaktion ein Verlust an Eigentum und Verdienst von mindestens 35 Mio. Pfund Sterling entstand. Die Regierung geht weiterhin gegen StrassenhändlerInnen und Strassenkinder vor. Im November wurden 15'000 StrassenhändlerInnen verhaftet und in neu eröffnete Camps ohne Infrastruktur verbracht. Strassenkinder werden verhaftet und an unbekannte Orte verbracht.

In den letzten fünf Jahren ging die Regierung mit neuen Gesetzen gegen die Meinungsfreiheit vor. Seit 2001 wurden 6 unabhängige Medienhäuser geschlossen, unzählige JournalistInnen wegen missliebiger Artikel verhaftet und einige auch gefoltert. Die Repression gegen die Medien scheint langsam Früchte zu tragen. Berichte über die desolate Lage in Zimbabwe, über die Vertreibungsaktion oder über die Demonstrationen gegen die Regierungspolitik dringen kaum oder nur spät ins Ausland.

Hungerhilfe notwendig

Obwohl im November und Dezember ausreichend Regen fiel, wird vorausgesagt, dass nur die Hälfte der benötigten Menge Mais geerntet werden kann. Denn zur Saatzeit fehlten Saatgut, Dünger, Benzin und Finanzen, weshalb viele BäuerInnen zu wenig aussäen konnten. Wie immer in den letzten drei Jahren beschönigte das Landwirtschaftsministerium zwar die Lage und behauptete, es gebe eine ausreichende Ernte. Das wurde auch letztes Jahr behauptet – heute hungert aber ein Teil der Bevölkerung. So hat die Fehl- und Unterernährung von Kindern zugenommen. In Epworth, einem Vorort von Harare, werden jede Woche 500 Fälle von schwerer Unterernährung gezählt. Wegen der schlechten Lebensbedingungen ist die Lebenserwartung der Frauen in den letzten 10 Jahren von 56 auf 34 Jahre gesunken. Dazu beigetragen hat auch die hohe HIV-Infektionsrate von 25,7 %. Viele ZimbabwerInnen können heute nur noch dank der Geldüberweisungen der Verwandten überleben, die in der Emigration leben und arbeiten.

Die Repression ist gross und immer wieder gibt es Berichte über schwere Misshandlungen von Oppositionellen. Aber trotzdem gibt es nach wie vor Oppositionsparteien und verschiedene Gruppen der Zivilgesellschaft, die mit gewaltfreien Aktionen die Regierung zum Rücktritt zwingen wollen. Die Oppositionspartei MDC spaltete sich allerdings im November in zwei Fraktionen. Beide Fraktionen wollen aber in einer breiten Vereinigung für die Präsidentschaftswahlen 2008 zusammenarbeiten.

Einer der pointiertesten Kritiker der Regierung ist der katholische Erzbischof von Bulawayo, Ncube. Er musste schon mehrmals untertauchen, weil er Todesdrohungen erhielt. Trotz grosser Repression werden auch immer wieder Demonstrationen gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen und die Verletzung von Menschenrechten von diversen NGO’s organisiert. So riefen im November der Gewerkschaftsdachverband und Menschenrechtsgruppen zu einer Demonstration auf, im Dezember letzten Jahres, im Februar und Mai die Frauengruppe Woza, im Mai demonstrierten JournalistInnen für Pressefreiheit, und ebenfalls im Mai riefen die Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen, die MDC und die National Constitutional Assembly zu einer Demonstration auf, an der es zu 100 Verhaftungen kam. Für die Verhafteten wird jeweils eine Verteidigung organisiert.

Buchbesprechungen

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Wirtschaftsbeziehungen Schweiz-Südafrika

hus. Wie waren die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika in den Jahren der Apartheid? Welche Rolle spielten die Banken? Bestanden ausgesprochen enge Beziehungen zwischen schweizerischen und südafrikanischen Führungskräften? Und war die offizielle Schweizer Politik von den internationalen Sanktionen beeinflusst?

Zahlreiche Fragen liegen dem Teilbericht zu den Wirtschaftsbeziehungen der Schweiz mit Südafrika zur Apartheid, der Gegenstand des Nationalfonds-Forschungsprogrammes NFP 41+ ist, zu Grunde. Die Forscher Bott, Guex und Etemad legen nun eine über 400 Seiten starke Publikation auf. Diese gliedert sich in die drei Zeitabschnitte 1945-61, in dem der Auf- und Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen dominiert, dann 1961-68, in welchen Jahren die ersten internationalen Reaktionen auf die steigende Repression in Südafrika und die Weigerung der Schweiz, sich Wirtschaftssanktionen anzuschliessen, fallen, und schliesslich die Periode 1968-90, die durch die rascher drehende Spirale der Repression, internationalem Druck und schweizerischer Finanzunterstützung gekennzeichnet ist.

Für jede dieser drei Epochen wird anhand von zahlreichen Beispielen das Verhalten der schweizerischen Regierung und der wichtigsten schweizerischen Firmen aufgezeigt. Wirtschaftsinteressen und Pragmatismus haben, so der Schluss der Forschenden, zu jedem Zeitpunkt die Beziehungen beherrscht.

Sandra Bott, Sébastien Guex, Bouda Etemad, Le Relations économiques entre la Suisse et l’Afrique du sud durant l’Apartheid (1945-1990), Lausanne 2005 (Editions Antipodes)

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Passagen durch Westafrika

hus. Der portugiesische Autor Pedro Rosa Mendes hat in Westafrika rund 30 Geschichten aufgezeichnet. Allen ist gemeinsam: Sie handeln von Krieg, Befreiungskampf wie auch Bürgerkrieg. Er geht unter die Oberfläche der Kriege, berichtet über Kriegsakteure, -profiteure und –opfer. Er zeigt damit mehr auf, als dass durch die Tagesaktualität vermittelt wird. Begleitet wird der Band von einem 32-seitigen Fototeil, in welchem die oftmals bedrückende Wirklichkeit eingefangen wird.

Pedro Rosa Mendes und Wolf Böwig, Schwarz.Licht, Passagen durch Westafrika, Frankfurt 2006 (Brades & Apsel)

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Von der Kunst, Länder und Menschen zu denken

hus. Georg Brunold, ehemals NZZ-Korrespondent in Afrika und späterer Redaktor bei „du“, schätzen wir seit seiner 1994 erschienenen Sammlung von Reportagen „Afrika gibt es nicht – Korrespondenzen aus drei Dutzend Ländern“. Nun erscheint eine neue Sammlung von Reportagen, darunter sieben wieder aus Afrika (von 25).
In den vergangenen zehn Jahren war Brunold auf allen Kontinenten unterwegs: im Fernen Osten wie im Vorderen Asien, in Amerika, in Arabien und immer wieder in Afrika, aber auch in Kalabrien, in der Moldau und im Emmental, auf Neuseeland und in der Karibik. Brunold taucht ein in das Alttagsleben des besuchten Landes, verspinnt die Fäden der Geschichte, der Gegenwart und des Einzelschicksals zu spannenden Reportagen. Er schafft dadurch Zugang zum Verständnis fremder Kulturen.

Georg Brunold, Ein Haus bauen - Besuche auf fünf Kontinenten, Frankfurt/Main 2006 (Eichborn)

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Männergewalt in Südafrika

bm. Ausgehend von der Tatsache, dass Südafrika weltweit die höchste Vergewaltigungsrate aufweist und auch im Bereich der häuslichen Gewalt an der Spitze liegt, untersucht die Autorin das Verhältnis von gesetzlichen Grundlagen und Rechtsrealität und unterbreitet – aus der Perspektive einer aussenstehenden Wissenschafterin - Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Die analytisch fundierte ethnologische Studie bietet darüber hinaus einen umfassenden interdisziplinären Überblick, dies nicht zuletzt aufgrund einer 150 Seiten umfassenden Literaturliste, und bietet eine Fülle von Detailinformationen. Einziges unerfülltes Desiderat ist die quellenkritische Hinterfragung des verwendeten Zahlenmaterials (z.B. des Berichtes von Human Rights Watch 1995 und 1997).

Auch wenn die Zahlen im Einzelfall möglicherweise nach unten korrigiert werden müssen, bleibt die erschreckend hohe Gewalt gegen Mädchen und Frauen unbestritten. Geschlechtspezifische Gewalt wird als zentrales Strukturproblem der südafrikanischen Gesellschaft identifiziert; dies obwohl das Land über eine egalitäre Verfassung und Gesetze verfügt, welche die Rechte von Frauen vorbildlich schützen. Auf der Ebene der Ausführungsbestimmungen und vor allem von Verwaltung und Polizei zeigt sich hingegen ein anderes Bild.

Schäfer kritisiert die Tendenz der Frauenrechtsorganisationen, die Ursachen dafür ausschliesslich und wie früher in der Apartheid und im Rassismus fest zu machen. Dadurch würden die verschiedenen Kontexte (innerhalb der südafrikanischen Bevölkerungsgruppen) vernachlässigt. Ausserdem hätten die Frauenrechtsgruppen Bisshemmungen gegenüber der Regierung und sähen die Gewalt gegen Frauen als gemeinsames Problem aller Frauen, während es in Wirklichkeit in erster Linie Frauen mit afrikanischem und Coloured Hintergrund betreffe.

Für die Autorin sind Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen Machthandlungen, die einen feindseligen Angriff auf die Persönlichkeit der Frauen darstellen, mit denen Männer auf eine Krise der Maskulinität antworten. Dies ist besonders gravierend, weil der Faktor Aids eine zusätzliche Gefährdung bedeutet, Massenvergewaltigungen durch Gangs weit verbreitet sind und Mädchen und junge Frauen auch in Ausbildungsstätten keinesfalls vor Übergriffen geschützt sind.

Physische Gewalt, die während der Kolonialzeit und der Apartheid das Vorgehen der weissen Machthaber prägte, wurde im Befreiungskampf zum legitimen Mittel der Interessensdurchsetzung und avancierte zum wesentlichen Merkmal von Männlichkeit, dies in einer Situation, die jungen Männern Selbstbehauptung durch Arbeit und soziale Anerkennung weitgehend vorenthält. Beanstandet wird, dass Gewalt gegen Frauen weder von den zuständigen staatlichen Institutionen noch durch soziale Sanktionsmechanismen angemessen geahndet wird. Die betroffenen Frauen sehen im Schweigen immer noch den besten Schutz – sie dürften durch Fälle wie den skandalösen Vergewaltigungsprozess gegen den südafrikanischen Vizepräsidenten Jacob Zuma in dieser Haltung bestärkt worden sein.

Rita Schäfer, Im Schatten der Apartheid, Frauen-Rechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika, Münster 2005 (LIT Verlag)

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Heimkehr nach Somalia

bfr. Zwanzig Jahre hat der in Somalia geborene Jeebleh in New York im Exil gelebt. Jetzt, nach dem Tod seiner Mutter, kehrt er in seine Heimat zurück. Er möchte die Schulden seiner Mutter begleichen, ihr Grab besuchen und „Frieden mit ihrem Geist“ schliessen. Bei seiner Ankunft in Mogadischu findet er eine vom Bürgerkrieg zerrüttete und korrumpierte Stadt vor. In der Welt, die einst sein Zuhause war, findet er sich nicht mehr zurecht. Die einstmals schöne Stadt ist verwüstet durch den Krieg, und die Armut ist allgegenwärtig. Banden der sich bekämpfenden Warlords ziehen durch die Stadt und erschiessen, wer ihnen nicht passt.

Aber nicht nur Somalia ist anders als früher, auch Jeebleh hat sich verändert. Er ist in den Augen seiner Familie und Freunde nicht länger „einer von ihnen“. Nur sein ältester Freund Bile, der mit ihm zusammen in Haft war und heute eine Klinik und ein Asylheim leitet, steht ihm noch nahe, weil auch er noch immer an die Gewaltlosigkeit glaubt.Biles kleine Nichte und ihre Freundin sind entführt worden und Jeebleh ist entschlossen seinem Freund zu helfen. Er will das Mädchen finden.

Farah gelingt es, die schwierige Thematik in seiner Heimat auf spannende Weise darzustellen.

Nuruddin Farah, Links, Frankfurt 2005 (Suhrkamp Verlag)

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Andere Welten

bfr. Heloise, die Tochter einer Französin und eines Afrikaners, macht sich auf, ihren unbekannten Vater zu treffen. Der Vater glänzt durch Abwesenheit, dafür lernt sie all ihre Verwandten kennen. Zu Parisette, ihrer Stiefschwester, entwickelt sie ein enges Verhältnis. Diese Begegnung, ihr Leben und auch ihre zum Teil leidvollen Erfahrungen, werden von den beiden Halbschwestern erzählt, jede aus ihrer Sicht. Entstanden ist ein Bild vom Leben zwischen den Kontinenten, ein Bild auch über Gewalt, Angst, Hass und Liebe.

Kangni Alem, Cola Cola Jazz, Wuppertal 2004 (Peter Hammer)

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Krimi in Douala

bfr. Die Fotografin Ada Simon ist aus Afrika zu einer Tagung über Tropenholz nach Mecklenburg gereist. In einem halbverfallenen Schloss treffen sich internationale Geschäftsleute, um nicht nur über Holzgeschäfte zu reden. Ada sieht sich dort mit einem unheimlichen Mann konfrontiert, der in Kamerun immer wieder ihren Weg gekreuzt hat. Denn in Kamerun hat alles angefangen....

Die Geschichte knüpft bei ihrem ersten Krimi „Spiegelreflex“ an und geht temporeich über in den Kampf um Holz, Kunst und um den Rohstoff des Handyzeitalters Coltan. Das Ende ist eher verwirrend, was die ansonsten spannende Geschichte etwas ausbremst.

Lena Blaudez, Farbfilter, Zürich 2006 (Unionsverlag)

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Fair Reisen in Südafrika und Namibia

bfr. In Südafrika und Namibia sind Tourismusinitiativen und Angebote entstanden, die den Reisenden neuartige Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen bieten. Die Anbieter haben sich ambitiöse Ziele gesetzt: Die lokale Bevölkerung soll im Tourismus mitwirken und davon profitieren, man will gute Arbeitsbedingungen schaffen, setzt auf Angebote, welche die lokalen Traditionen respektieren und die Umwelt schonen. Diese Pionierarbeit zeigt, wie ein fairer Handel im Tourismus heute aussehen kann. Wie auch Reisende fair unterwegs sein können, lesen Sie in diesem Reiseleitfaden. Er enthält nebst Portraits und Hintergrundartikeln einen umfassenden Serviceteil mit innovativen Reiseangeboten bereit.

Marianne Frei, Fair unterwegs in Südafrika und Namibia, Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, Missionsstrasse 21, 4003 Basel


Das Afrika-Bulletin
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